Schrift wirkt!

Wie sagt man immer so schön? "Kleider machen Leute". Kleiden oder verkleiden kann man sich sehr unterschiedlich. Das gilt nicht nur für unsere Kleidung, sondern auch für Schrift, denn Buchstaben heißen nicht umsonst "Typen".



Typographie ist die Stimme des geschriebenen Wortes. Doch fangen wir mal ganz von vorne an. Was bedeutet "Typographie" eigentlich genau? Das Wort stammt aus den dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als die Gestaltung von Druckwerken mit beweglichen Lettern (Typen). Typographie war also einst ein Handwerk, dass ein besonderes technisches Know-how bedurfte. Heutzutage wird unter dem Begriff "Typografie" die Kunst und Lehre von Schrift verstanden. Vereinfacht gesagt, wie Schriften in Druckerzeugnissen oder digitalen Medien verwendet werden können, damit diese funktional und ästhetisch zugleich wirken.


Die Anatomie der Buchstaben


Ja, auch Buchstaben weisen Anatomien auf. Jeder einzelne Buchstabe wird als abstrakte Form genannt. Seine grafische Darstellung in einer Schriftart nennt man "Glyphe". Ein Buchstabe besteht aus unterschiedlichen Bestandteilen, für die es gewisse Begriffe gibt.

Die Schriftformen


Es gibt ganz unterschiedliche von ihnen und jeder von uns hat sie schon mal gesehen – die Schriftformen. Egal auf Plakaten, in Magazinen oder auf Webseiten.



  • Groteskschriften – haben eine gleichbleibende Strichstärke und keine Serifen

  • Egyptienne – diese zeichnen sich durch deren gleichbleibenden Strichstärken und kräftigen und gerade geschnittenen Serifen aus

  • Modern – Modern-Fonts haben einen starken Kontrast zwischen dicken und dünnen Schriften, statische Formen und gerade, rechtwinkelig angesetzte Serifen

  • Fraktur – sie wurde in den ersten gedruckten Büchern verwendet und waren im Mittelalter in ganz Europa vertreten

  • Antiqua – man erkennt sie an den geringen Kontrasten zwischen dicken und dünnen Strichen, dynamischen Formen und gerundeten Serifen

  • Barock – zeichnen sich durch einen merklich größeren Unterschied zwischen den dünnen und horizontalen Stichen und den dickeren vertikalen Strichen aus


Schriften mischen


Hierfür wird schon etwas Formverständnis benötigt, um Schriften miteinander in einem Layout zu mischen, andererseits ist dies aber auch Geschmacksache. Auf der sicheren Seite ist man dann, wenn man zwei Schriften gleicher Formensprachen und unterschiedlichen Endstrichen miteinander kombiniert – zum Beispiel eine Serifenschrift mit einer serifenlosen Schrift.

Wie man am oberen Beispiel gut erkennen kann, harmoniert Überschrift mit dem Fließtext – beides zusammen ergibt ein stimmiges Bild und stört den Leser nicht. Das liegt daran, dass die konstruierten Grundformen einander ähnlich sind. Im Detail sieht es so aus:


Ein anderes Beispiel zeigt, dass Überschrift hier nicht mit Fließtext harmoniert. Warum? Die geometrischen Grundformen des Fließtextes passen nicht mit den dynamischen Glyphen der Überschrift zusammen.


Im Detail kann man gut erkennen, wie unterschiedlich die beiden Schriften zueinander stehen. Die Glyphenbreite des Fließtextes ist um ein Vielfaches breiter als die, der Überschrift. Die Schriftarten passen somit nicht zueinander.



Ein kleiner Auszug aus der Welt der Typographie. Typographie ist alles andere als bloßes Schriften zusammensetzen. Vielmehr geht es um Details, Harmonie und das Gespür dafür – wie bei der Auswahl unserer Kleidung und auch hier sollten gewisse Regeln eingehalten werden. Typographie kann sehr ausdrucksstark sein: sie kann schreien, flüstern, zerbrechlich und wunderschön aussehen. Wir nehmen Schriften unbewusst wahr. Sie tragen Botschaften. Sie wecken Emotionen. Auf Plakaten, in Magazinen, in Büchern. Typographie muss mehr verstanden werden und als Ganzes gesehen werden, denn sie begleitet uns im täglichen Leben. Schrift wirkt! Wir Grafiker kleiden Texte so, wie wir wollen, dass sie wirken.

100 Ansichten